Osnabrücker Zeitung Beitrag vom 28.06.2018


Osnabrück. In Bremen und Berlin ist das Schulgeld für therapeutische Gesundheitsberufe bereits abgeschafft. In Niedersachsen tut sich die Landesregierung mit diesem Schritt noch schwer. Um die Entscheidung voranzutreiben, haben Schüler der ETOS Ergotherapieschule Osnabrück eine Petition aufgesetzt und in der Innenstadt demonstriert.

Dem Aufruf folgten rund 150 Schüler und einige Lehrer, die sich zunächst am Hauptbahnhof versammelten. Ausgerüstet mit Megafon, Pfeifen, Trommeln und Transparenten zogen die Demonstranten mit Begleitung der Polizei durch die Große Straße bis zum Theaterplatz.

Weiterer Job nötig

„Ohne die Hilfe meiner Eltern wäre die Ausbildung gar nicht möglich“, sagte Schülerin Franziska Nentwig. „Eigentlich müssten wir alle noch einen weiteren Job haben, um die monatlichen Gebühren zu zahlen. Das ist aber neben Klausuren und Praktika einfach nicht möglich.“ „Die Schulgeldbefreiung ist Teil des Koalitionsvertrags“, sagte Schulkollegin Denise Woll. Bisher waren in Niedersachsen den Worten noch keine Taten gefolgt.

„Es heißt immer, dass es Chancengleichheit bei der Berufswahl gibt“, so Woll. Wegen der hohen Ausbildungskosten für Berufe wie Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie sei es aber nicht für jeden möglich, eine Lehre zu machen.

Zunehmend unattraktiv

Auszubildende zahlen zwischen 250 und 500 Euro monatlich. Daher sei der Gesundheitsbereich zunehmend unattraktiv. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Fachkräften durch den demografischen Wandel stetig, heißt es in der Petition. „Wir hatten in diesem Jahr 30 Prozent weniger Bewerber als 2017“, bestätigte Andreas Pfeiffer vom Deutschen Verband der Ergotherapeuten, der aus Krefeld zur Demo angereist war.

Quelle:

https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/1382849/azubis-demonstrieren-in-osnabrueck-gegen-gebuehren#gallery&0&0&1382849