Radio Brocken Beitrag vom 29.06.2018

Krankenkassen zahlen nicht einmal den Mindestsatz für die Behandlung.

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(Foto: ©RioPatuca Images)

Constanze Günther ist seit 1992 Ergotherapeutin in Weißenfels und Zeitz. Sie war eine der ersten nach der Wende und vielleicht ist sie nun bald einer der Letzten: Mit Ihren 20 Mitarbeitern an zwei Standorten kämpft sie um das Überleben. Vom 10 bis 12 Stundentag bleiben am Monatsende nicht einmal 1200 Euro brutto.

„Das reicht um meine laufenden Kosten zu decken, aber es darf nichts außer der Reihe passieren,“ klagt die Weißenfelserin.

Schuld daran sind die Krankenkassen, die zum Teil weniger als den empfohlenen Mindestsatz zahlen. Als Selbstständige kommt sie jedoch auch für Krankenkasse, Rentenversicherungen und natürlich die Gehälter ihrer Mitarbeiter auf. „Wir merken selbst ein Deutschlandspiel, wenn der eine oder andere Patient kurzfristig absagt, direkt in der Kasse. Das Geld fehlt am Ende des Monats.“ Zusammen mit anderen Kollegen engagiert sich die Gesundheitsexpertin in der Aktion „Therapeuten am Limit“ von Heiko Schröder aus Frankfurt. Selbst Therapeut weiß er um die Probleme der Kollegen:

„Die aktuelle Situation der Physiotherapeuten in Deutschland ist so prekär, dass eine regelmäßige Teilnahme an finanziell kostspieligen Fortbildungen, Bildung von Rücklagen und das Zahlen vernünftiger Gehälter nicht mehr möglich ist.“ Besonders schlecht ist die Lage in Sachsen-Anhalt: „Am Ende zahlen die Kassen hier zwar nur 2-3 Euro weniger als im Bundesschnitt, jedoch ist der Verdienst insgesamt fast um die Hälfte unter dem der anderen Länder. Im Bundesschnitt verdient ein Therapeut 2200 Euro brutto, in Sachsen-Anhalt ist es knapp die Hälfte.“

Für Heute ist eine Einigung mit der AOK-Sachsen-Anhalt in einem seit letztem Jahr offenen Verfahren erwartet. Dies soll den Therapeuten etwas mehr Geld in die Tasche spülen. Gibt es hier keine Einigung, wird sich ein langwieriges Schiedsverfahren anschließen, das vielen Praxen vielleicht nicht mehr erleben werden.

Quelle:

https://www.radiobrocken.de/aktuell/nachrichten-sachsen-anhalt/sachsen-anhalts-therapeuten-leben-auf-hartz-iv-niveau-id156184.html