Sächsische Zeitung Beitrag vom 07.06.2018

Therapeuten am Limit

Als Demonstration gegen die schlechten Arbeitsbedingungen radelten Therapeuten nach Berlin. Mit dabei war auch ein Kamenzer.

Von Ina Förster

Der Kamenzer Ergotherapeut Michael Schiewack begleitete seinen Kollegen Heiko Schneider aus Frankfurt / Main (r.) bei der besonderen Tour.
Der Kamenzer Ergotherapeut Michael Schiewack begleitete seinen Kollegen Heiko Schneider aus Frankfurt / Main (r.) bei der besonderen Tour.

© PR

Kamenz / Berlin. Physiotherapeut Heiko Schneider fuhr am 28. Mai mit seinem Fahrrad von Frankfurt am Main nach Berlin, um eine Woche später, am 5. Juni Politikern des Bundestages und Verantwortungsträgern des Gesundheitsministeriums seinen Brandbrief vom 23. März zu übergeben. Mittlerweile hatte er hunderte Zusendungen von Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet im Gepäck. Die besondere Aktion zog Kreise und flimmerte am Dienstagabend über den Bildschirm vieler Fernsehsender. Die Kernaussage dahinter: „Wir Therapeuten sind am Limit. Nur gemeinsam können wir etwas voranbringen!“ Ganz vorn dabei bei der Demo, die vor der Tür des amtierenden Gesundheitsminister Jens Spahn endete, war auch der Kamenzer Ergotherapeut Michael Schiewack mit seinem Rad. In den sozialen Medien konnte man die Etappen und Erlebnisse des Teams mitverfolgen.

Heiko Schneider demonstriert mit seinem Brandbrief gegen die zum Teil verheerenden Bedingungen der Heilmittelerbringer wie Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten. Lange Wartelisten und nicht zu besetzende freie Arbeitsstellen sind derzeit Realität. Grund sind vor allem die schlechten Vergütungen durch die gesetzlichen Krankenkassen. Junge Therapeuten aus der Physio-, Ergo- und Logopädie werfen frühzeitig das Handtuch. Schneider bewies Mut und schloss seine Praxis für eine Woche, um auf diesen Missstand hinzuweisen. Auch bei Michael Schiewack blieb die Praxis am Dienstag komplett zu, um ein Zeichen zu setzen.

Schneider wurde von Kollegen etappenweise begleitet. Durch den Brandbrief wurden Gespräche in Berlin vereinbart. Ebenso ist die einseitige Politik der gesetzlichen Krankenkassen gegen ihre eigenen Vertragspartner ein Stolperstein für die niedergelassenen Therapeuten. Dies sehen viele Kollegen genauso. Die Unterstützung untereinander fand mit der Aktion ein wunderbares Hoch. Viele Berufsverbände unterstützten die Aktion ideell, organisatorisch oder finanziell. Das Team um Schneider ist darüber dankbar und stolz zugleich. Denn dies stellte ein Novum dar. (if)

 

Quelle:

https://m.sz-online.de/nachrichten/therapeuten-am-limit-3949849.html