AKTION – Schulgeldfreiheit Hamburg

In Hamburg formiert sich ein Protest im Gesundheitswesen durch die Aktiongruppe „Therapeuten von morgen-Hamburg“. Diese kämpfen für die Abschaffung des Schulgeldes der schulischen Ausbildungsberufe in den Bereichen Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie & Podologie.

Durch das Schulgeld werden Barrieren aufrecht erhalten, die dazu führen, dass immer weniger Schüler diese wichtigen Gesundheitsfachberufe erlernen. Das ist ein Grund dafür, neben der schlechten Vergütung durch die Krankenkassen, dass schon heute nicht alle Patienten in den Heilmittelpraxen mit Terminen versorgt werden können.

Die Aktionsgruppe hat einen Offenen Brief an die Verantwortungsträger in Hamburg verfasst, um auf die präkere Situation aufmerksam zu machen und die entsprechenden politischen Gremien aufzufordern das Thema schnellstmöglich zu lösen.

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+++ Offener Brief +++
Therapeuten von Morgen – Hamburg
Ansprechpartnerin: Jasmin Mohr
Oststeinbeker Weg 1b
22117 Hamburg
Hamburg, 22.11.2018
Betreff: Aufnahme des Tagesordnungspunktes „Schulgeldfreiheit für
Gesundheitsfachberufe“ in den Gesundheitsausschuss Hamburg am 30.11. 2018
Sehr geehrte Frau Senatorin Prüfer-Storcks,
sehr geehrte Frau Blömke von Bündnis 90 / Die Grüne,
sehr geehrter Herr Lein von der SPD,
sehr geehrte Frau Dr. Kerp-Esche von der SPD,
sehr geehrte Frau Müller von der SPD,
sehr geehrte Frau Dr. Vértes-Schütter von der SPD
sehr geehrte Frau Wosretzko von der SPD,
sehr geehrte Frau Stöver von der CDU,
sehr geehrter Herr Thering von der CDU,
sehr geehrter Herr Celik von der? Die Linke,
sehr geehrte Frau Dutschke von der FDP,
sehr geehrte Herr Dr. Flocken Fraktionslos,
wir – die angehenden ErgotherapeutInnen, LogopädInnen, PhysiotherapeutInnen,
MasseurInnen und Med. BademeistInnen an den Döpfer Schulen Hamburg plädieren dafür, das Thema „Schulgeldfreiheit für Gesundheitsfachberufe“ in die Tagesordnung des Gesundheitsausschusses am 30.11.2018 aufzunehmen.
In Hamburg herrscht großer Notstand an medizinischem Fachpersonal. Offene Stellen können kaum besetzt werden. Und warum? Weil es an ausgebildeten TherapeutInnen mangelt. Als Beispiel kommen laut der Fachkräfte-Engpass-Analyse vom Juni (2018) auf 100 freie Arbeitsplätze für Physiotherapie bundesweit lediglich 31 Arbeitssuchende. Dabei sind die Stellen im Schnitt 157 Tage vakant. Und es wird nicht besser: Aufgrund des Demografischen Wandels werden in Zukunft immer mehr Menschen auf TherapeutInnen angewiesen sein. Ja, vermutlich auch Sie.
Wie soll sich dieser Notstand in Ihren Augen ändern, wenn man die Ausbildung mit knapp 16.000€ selber finanzieren muss?
Das hohe Schulgeld lässt viele zukünftige Therapeuten daran scheitern, diese Ausbildungen anzutreten, und das obwohl der Bedarf an medizinischem Fachpersonal schon jetzt nicht gedeckt ist. Ein sofortiges Handeln der Politik und die Abschaffung des Schulgeldes sind deswegen zwingend erforderlich. Denn zu den monatlichen Schulgebühren von etwa 420 € kommen noch die Lebenshaltungskosten hinzu. Das bedeutet für viele Schüler, dass sie neben der Vollzeitausbildung noch zusätzlich arbeiten müssen. Nicht Wenige kommen dadurch auf eine 65-Stunden-Woche. Dabei sind die Stunden, die zum Lernen für Klausuren und Vorbereiten von Referaten nötig sind, noch gar nicht mit eingerechnet.
Für uns als zukünftige TherapeutInnen bedeuten die drei Jahre Ausbildung ein großes Abhängigkeitsverhältnis und einen noch größeren Druck. Wir müssen gute Note schreiben, um das Weiterführen der Ausbildung zu gewährleisten. Ein Schuljahr zu wiederholen ist finanziell gar nicht denkbar. Diesem Druck halten nicht alle stand. Mehr und mehr SchülerInnen brechen die Ausbildung ab und immer weniger TherapeutInnen machen ihren Abschluss. Die Konsequenz: Fachkräftemangel.
Um dieser Doppelbelastung zu entgehen, müssen Viele einen Kredit aufnehmen und starten mit einem hohen Schuldenberg ins Berufsleben, den sie anschließend über lange Jahre abbezahlen müssen. Alternativ greifen die Familien ihren Kindern unter die Arme und investieren die jahrelang angesparten Reserven für ihre Kinder. Ein hoher familiärer Druck ist damit unumgänglich.
Wir sind Hamburgs TherapeutInnen von morgen und appellieren heute an Sie: Müssen wir für einen Beruf mit einer so großen Verantwortung und Relevanz für die Menschen und unsere Gesellschaft wirklich die Ausbildungskosten selber tragen? Wie erklärt eine so reiche und zukunftsorientierte Metropole wie Hamburg es ihren WählerInnen, dass sie ihnen im Alter keine ausreichende medizinische Fachbetreuung wird garantieren können?
Bildung ist Ländersache. Daher gehen wir davon aus, dass Sie als die politischen Akteure Hamburgs sich der Dringlichkeit der Schulgeldfreiheit für unsere Professionen bewusst sind und sich dieser Verantwortung unverzüglich stellen werden. Nehmen Sie sich ein Beispiel an unserem Nachbarbundesland Schleswig-Holstein. Gewährleisten Sie heute die Therapeuten von Morgen – Hamburg.
Wir hoffen auf das Beste.
Mit heilmittelerbringenden Grüßen,
Ihre angehenden ErgotherapeutInnen, LogopädInnen, PhysiotherapeutInnen, Medizinischen BademeisterInnen und MasseurInnen aus Wandsbek

Kontakt zur Aktionsgruppe „Therapeuten von morgen-Hamburg“

Jasmin Mohr
Schülerin (Döpfer Schulen)
therapeuten-von-morgen-hh@web.de
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Download:

Aufnahme des Tagesordnungspunktes „Schulgeldfreiheit für Gesundheitsfachberufe“ in den Gesundheitsausschuss Hamburg am 30.11. 2018 (PDF)