AOK Niedersachsen greift erneut in die Heilmittelversorgung ein – Beitrag vom 17.10.2018

Nach den viel diskutierten Heilmittelzielvereinbarungen startet die AOK Niedersachsen erneut einen Versuch in das Verordnungsverhalten der Ärzte einzugreifen.

In der aktuellen Heilmitteltrendmeldung vom 10. Oktober beklagt die AOK, dass in Niedersachsen im ersten Halbjahr 2017 der Anteil von Verordnungen außerhalb des Regelfalls auf 27,1% gestiegen sei und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt (21,9%) liegen würde. Zudem würden Behandlungsfälle immer länger dauern und selten würde ein Therapieende im Regelfall erfolgen. Belege liefert die AOK für diese Behauptungen nicht.

Im Weiteren werden die Ärzte gebeten die Erwartungen des Patienten „abzugleichen“ und gemeinsame Ziele für eine erfolgreiche Therapie zu vereinbaren. Gemeint ist hier wohl eine Abstufung der Therapieziele. Als Änderungen im Verordnungsverhalten wird dann eine differenziert Auswahl des Heilmittels oder der Frequenz, Therapiepausen oder das Erlernen von Eigenübungen vorgeschlagen.

Unter dem Deckmantel eines Therapiemanagements wird dann weiterhin empfohlen zu prüfen, ob die „Richtung stimmt“ und alternativ ein Wechsel des Therapeuten oder eine Beendigung der Therapie vorgeschlagen.

Die Belehrungen enden mit einem Satz, der tief blicken lässt und das Leistungsverständnis der AOK eindrucksvoll widerspiegelt:

„Ein Optimum wird vom Leistungsumfang nicht umfasst!“

Wir werten dies erneut als rechtswidrigen Versuch seitens der AOK in das Versorgungsgeschehen einzugreifen und sehen uns darin bestärkt die Rolle der Selbstverwaltung kritisch zu hinterfragen. Gern sind wir der AOK auch bei der Entwicklung einer positiven Unternehmenskultur behilflich, die ihrem Status als Körperschaft öffentlichen Rechts angemessen und an einer effizienten Gesundheitsversorgung ausgerichtet ist.