Badische Neuste Nachrichten BNN Beitrag vom 23.08.2018

„Therapeuten am Limit“ rufen nach Hilfe

Es ist ein Hilferuf, der sich gegen überbordende Bürokratie, zu geringe Bezahlung sowie Nachwuchs- und Fachkräftemangel und deren Ursachen richtet. Als „Therapeuten am Limit“ bezeichnen sich die, die im Bürokratendeutsch „Heilmittelerbringer“ heißen: Logopäden, Podologen, Ergo- und Physiotherapeuten.

„Therapeuten am Limit“ gehen am Samstag auf die Straße

Mit Kreideaktionen, bei denen sie ihren Protest auf die Straße malen, wollen sie am kommenden Samstag, 25. August, auf ihre Situation aufmerksam machen. Geplant sind auch Aktionen in Pforzheim um 11 Uhr am Rathaus und in Karlsruhe um 15 Uhr an der Pyramide.

Probleme der Therapeuten sind zahlreich

Die Liste der Probleme, die Modesta Kriebel, eine der Organisatorinnen, aufzählt, ist lang. Die Physiotherapeutin klagt über Probleme, Mitarbeiter zu finden. Zahlen aus der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit bestätigen dies – Physiotherapeuten sind Mangelware in Baden-Württemberg, auch deutschlandweit bleiben offene Stellen 157 Tage unbesetzt. Kriebel erzählt, sie habe seit Oktober eine Kollegin gesucht, die Stelle aber erst jetzt besetzen können.

Es geht ums Geld.

Der Grund scheint klar zu sein: „Es geht ums Geld“, sagt sie. Ein Therapeut hatte 2017 ein durchschnittliches Brutto-Jahresgehalt von etwa 25 000 Euro zur Verfügung. Hinzu kommt, dass die Ausbildung unbezahlt ist, an vielen der Schulen sogar dafür bezahlt werden muss.

Klage über immensen Verwaltungsaufwand

Ein weiteres Problem bringt auch Sandra Becker, Vorsitzende der Regionalgruppe Nordschwarzwald im Deutschen Verband für Physiotherapie, auf den Punkt: „Wir liegen ständig mit den Krankenkassen im Clinch.“ Kriebel spricht von zwei Stunden Verwaltungsaufwand pro Tag, trotz einer Angestellten für das Administrative in ihrer Praxis. Da gehe es beispielsweise darum, Rezepte von Ärzten zu kontrollieren, weil einzelne Fehler dafür sorgen, dass ganze Rezepte von den Krankenkassen nicht bezahlt werden.

Die Berufsverbände tun wenig.

Doch noch ein weiteres Problem treibt Kriebel um: „Die Berufsverbände tun wenig“, beklagt sie und meint damit auch Beckers Verband. Unter anderem deswegen organisierten die „Therapeuten am Limit“ ihre Aktion unabhängig von den Verbänden.

Haltung des Berufsverbands ist uneinheitlich

Vom Deutschen Verband für Physiotherapie, dem größten Berufsverband für Physiotherapeuten ist Unterschiedliches zu hören. Während der Landesverband Baden-Württemberg sich eher zurückhaltend zeigt, sagt Ute Merz, Pressesprecherin des Bundesverbands: „Ich bin dankbar für die Kreideaktion.“ Ihr Verband unterstütze alle, die aktiv werden, habe allerdings keinen Einfluss darauf, wie es lokal gehandhabt werde. So gibt es für die Kreideaktion zwar Unterstützung, beispielsweise über die sozialen Netzwerke, vom Bundesverband, vor Ort bleiben die Aktiven aber wohl auf sich gestellt.

Quelle:

https://bnn.de/lokales/karlsruhe/therapeuten-rufen-nach-hilfe