Behandlungsmengen in allen Heilmittelbereichen seit 2016 rückläufig

Wer an Ausreißer geblaubt hatte, wird nun eines Besseren belehrt. Es gibt einen klaren Trend und der Trend beschleunigt sich. Preisfrage: gibt es weniger Verordnungen oder sind das bereits die ersten Ausläufer des Fachkräftemangels?

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5 Antworten auf „Behandlungsmengen in allen Heilmittelbereichen seit 2016 rückläufig“

  1. Für mich ist es ganz klar ein Resultat für den Fachkräftemangel. Ich arbeite (als Logopädin) in einer Kleinstadt bei Hamburg und bei uns beträgt die Wartezeit auf einen Therapieplatz seit einem halben Jahr 1-2 Jahre – keine Verbesserung in Sicht. Im Gegenteil: wenn ich bedenke, dass sich die jeweilige Behandlungsdauer durch den deutlich verzögerten Therapiebeginn stark verlängern wird, könnte das Ganze sogar zu einem Teufelskreis werden, durch den die Wartezeiten immer und immer länger werden. Als wären 1-2 Jahre noch nicht genug…

  2. Hallo,
    Bei uns im Umkreis ist es so, dass sämtliche Ärzte nichts mehr verschreiben wollen. Wir haben endlich eine Therapeutin gefunden. Und plötzlich kaum noch vor Verordnungen. Obwohl die Patienten da wären.

  3. Hallo, ich habe meine Praxis im April 2016 eröffnet und seitdem stetig steigende Patientenzahlen auch über mangelnde Verordnungen kann ich nicht klagen. Aber auf Grund dessen, dass ich ausgeschriebene Stellen oft nicht zeitnah besetzen kann muss ich Patienten vertrösten bzw Frequenzen refuzieren, was schlussendlich zu weniger Behandlungen pro Patient im gleichen Behandlungszeitraum führt.

  4. Es ist nicht nur die Menge der verordneten Heilmittel, die sich in einem Abwärtstrend befindet. Bei uns in Hessen läßt sich ein mindestens ebenso bedenklicher Abwärtstrend in der Qualität der Verordnung beobachten. Bei meiner Abrechnung des Monats April 2016 wiesen noch 21% der eingereichten Rezepte ein ergänzendes Heilmittel auf. Im April 2019 waren ergänzende Heilmittel nur noch auf 6 von 138 abgerechneten Rezepten. Genaugenommen waren es sogar nur 2 Rezepte, denn bei 4 Rezepten habe ich mich selbst nachträglich um die zusätzliche Verordnung einer Wärmebehandlung für die verordnete Massage bemüht.

    Weiterhin ist klar erkennbar, dass z.B. Verordnungen über KG-ZNS immer seltener ausgestellt und stattdessen durch einfache KG-Verordnungen abgelöst werden. Um dieser qualitativen Beschränkung noch die Krone aufzusetzen, mehren sich bei uns die Verordnungen, bei denen Patienten, die wir mit ihren schwersten neurologischen Erkrankung mit Hausbesuch versorgen, die Behandlung vom Arzt auf 1 x wöchentlich beschränkt wird.

    In Hessen ist es maßgeblich die Kassenärztliche Vereinigung, die eine wirtschaftliche Besserstellung der Heilmittelerbringer massivst hintertreibt. Mehrfach hatte ich die Gelegenheit, Einsicht in Schreiben der KVH an Ärzte zu nehmen, in denen diese nachdrücklich aufgefordert wurden, die Verordnung von Heilmitteln für (namentlich aufgeführte!) Patienten mit schweren und schwersten Erkrankungen deutlich kostengünstiger zu gestalten oder gar vollständig einzustellen! Unter Androhung von Sanktionen wurden die Ärzte in diesen Schreiben aufgefordert, einen Termin in der Geschäftsstelle der KVH zu vereinbaren, um sich die Möglichkeiten einer kostengünstigeren Versorgung dieser Patienten darlegen zu lassen. Dass die Politik der KVH außerordentlich erfolgreich ist, erkennt man daran, dass Hessen inzwischen den allerletzten Platz bei der Heilmittel-Versorgung der Bevölkerung einnimmt.

    Nicht neu ist hingegen der Trend, dass von der AOK Hessen bei Hausbesuchs-Verordnungen außerhalb des Regelfalls, die vom Arzt z.B. mit dem Zusatz „1-2 x wöchentlich“ oder 1-3 x wöchentlich“ versehen wurden, ihrem Genehmigungsvermerk grundsätzlich die Beschränkung „1 x wöchentlich“ hinzufügt.

    Anstatt beispielsweise falsch ausgestellte Rezepte an Herrn Spahn zu schicken, würde eine Demonstration oder eine Sitzblockade vor der Kassenärztlichen Vereinigung viel eher den Blick der Öffentlichkeit und der Presse auf die an der Misere tatsächlich Schuldigen lenken. Dies wäre nach meiner Auffassung auch unter dem Aspekt äußerst wirkungsvoll, dass der Großteil der niedergelassenen Ärzteschaft die KV abgrundtief verabscheut, wenn nicht gar haßt! So könnten wir uns zumindest der Solidarität der Ärzte sicher sein!

    Michael Lierke

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