GKV – Intransparenz selbst bei offiziellem Zahlenwerk

Der GKV-Spitzenverband lässt zumindest im Heilmittelbereich keine Gelegenheit aus, um Tatsachen zu verschleiern und Intransparenz zu perfektionieren. Selbst vor der Verbreitung von Fake News schreckt man nicht zurück.

Jüngst waren Zweifel an der Qualität und Plausibilität der Daten des GKV eigenen Heilmittelinformationssystems (GKV-HIS) laut geworden (TAL gGmbH, physio.de). Diese Bedenken sind dem GKV-Spitzenverband und dem ausführenden Institut (ITSG) bekannt und werden nach Aussage des GKV-SV „untersucht“.

Die Datenpanne im zweiten Quartal wurde still und heimlich mit einer neuen Veröffentlichung der Zahlen „korrigiert“. Dieses Vorgehen war allein schon befremdlich, denn immerhin werden die Zahlen auch für Vertragsverhandlungen und Wirtschaftlichkeitsprüfungen herangezogen und sollten daher durchgehend transparent abgebildet werden.

Und wirklich neu sind die Bedenken hinsichtlich der Qualität der HIS-Zahlen nicht, denn die Kassenärztliche Bundesvereinigung weist schon länger auf die Probleme hin. So zum Beispiel in ihrer Stellungnahme zum TSVG 2019. Dort heißt es:

„Die tatsächliche Bereitstellung der Verordnungsberichte (sowohl die aggregierten als auch die Arzt‐Berichte) entspricht gegenwärtig jedoch hinsichtlich Plausibilität, Vollständigkeit und fristgerechter Bereitstellung weder den Vorgaben in § 84 Abs. 5 SGB V noch den Anforderungen für eine zielgerichtete Steuerung der Heilmittelversorgung durch die Kassenärztlichen Vereinigungen und die verordnenden Vertragsärzte.“

Und obwohl auch in der jüngsten Veröffentlichung die Zahlen der Umsätze und der erbrachten Behandlungseinheiten derart weit auseinanderliegen, dass selbst einfachste mathematische Fähigkeiten genügen müssten, um darauf aufmerksam zu werden, nutzt der GKV-SV diese Zahlen als Basis für einen erneuten Fake News Auswurf in Richtung der Therapeutinnen und Therapeuten.

Erneut wurde im Trump-Stil getwittert und folgende Information verbreitet:

Es wird suggeriert, dass die Therapeutinnen und Therapeuten 2020 (also in der Zeit der Pandemie) deutlich profitiert und sogar zusätzlich noch den Rettungsschirm on top erhalten hätten.

Lieber GKV-SV, jetzt nochmal für Euch zum Mitschreiben:

  • Ihr habt erhebliche Probleme mit Eurem GKV-HIS Zahlengedöns. Das stimmt vorne und hinten nicht.
  • Die Zahlungen aus dem Rettungsschirm waren kein reguläres Honorar, sondern haben tatsächlich viele Praxen vor der Insolvenz gerettet.
  • Die Praxen hatten zudem erhebliche Kosten durch erhöhten Hygieneaufwand.
  • Während Ihr schön im Homeoffice wart, haben die Therapeutinnen und Therapeuten die Versorgung Eurer Versicherten sichergestellt und sind dabei nicht selten selbst krank geworden.
  • Auch wenn ihr scheinbar stumpf den Rettungsschirm in euer HIS-Gedöns eingerechnet habt, so wurden euch die Ausgaben aus Steuermitteln erstattet.
  • Das Ganze als Gesamthonorar aus GKV-Mitteln aufzurechnen ist falsch, irreführend und unredlich.
  • Ihr seid eine Körperschaft öffentlichen Rechts und verwaltet nur euch anvertraute Gelder.
  • Ihr verteilt keine Geschenke, sondern sollt nur eure Aufgabe erfüllen.
  • Und überhaupt, was soll der Scheiß? Habt Ihr nichts Besseres zu tun?

Auf besondere Anfrage gibt es diese Punkteliste auch zum Ausmalen gegen eine geringe fünfstellige Schutzgebühr. Ihr wisst ja, wo ihr die Ausgaben verbuchen könnt. (Gnihihihihi)

Aber noch mal ganz im Ernst: Wir können nur immer wieder auf den Blödsinn hinweisen, den der GKV-SV so verzapft. Jeder Arzt, jede Ärztin, die von Heilmittelregressen bedroht ist, alle Forschenden, die die Heilmittelversorgung untersuchen und alle diejenigen, die Verhandlungen führen oder gerade den Klageweg beschreiten, sollten wissen, dass die GKV-HIS Zahlen als Datenbasis nicht valide sind!

Euer Therapeuten am Limit – Team

5 Antworten auf „GKV – Intransparenz selbst bei offiziellem Zahlenwerk“

  1. Also ich hab mir mal die Quelle im Geschäftsbericht des GKV-Spitzenverbandes angesehen, dort wird auf die offiziellen BMG Zahlen und nicht auf die Schnellinformationen GKV HIS Bezug genommen. Die haben nichts miteinander zu tun .

    1. Ja genau. Auf diese beziehen wir uns in unseren Arbeiten immer. Genau deswegen kommen wir u.a. auf die starken Abweichungen. Das WAT Gutachten z.B. bezieht sich vorrangig auf die HIS Zahlen genauso wie das Gegengutachten der GKV. Genau hier hätte das BMG aufgrund der hohen Differenz als Aufsichtsbehörde einschreiten müssen. Dies ist nicht erfolgt. Weiterhin haben wir viele Protokolle und Anfragen an die Regierung durchforstet und es wird sich im HME Bereich so gut wie immer auf die HIS Zahlen gestützt.

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