Lübecker Nachrichten Beitrag vom 23.08.2018

21:45 23.08.2018

Ostholstein/Kellenhusen

Nicht nur in mehr als 70 Städten, sondern auch in Ostholstein von Fehmarn bis zur Lübecker Bucht soll morgen auf den Seebrückenvorplätzen der Hashtag #therapeutenamlimit Aufmerksamkeit hervorrufen. Mit dem Kreide-Schriftzug auf dem Boden demonstrieren Ergotherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten, Podologen und Diätassistenten gegen die ihrer Ansicht nach sich rapide verschlechternde Versorgung von Patienten. Diese würden zunehmend schwieriger Termine bei ihren Therapeuten bekommen – und nicht alle bisherigen Leistungen würden noch ausreichend abgedeckt werden.

„In Ostholstein ist die ländliche Versorgung in Gefahr. Wir bekommen keine Fachkräfte mehr und der Nachwuchs ist ausgestorben, da man für die Ausbildung viel Geld mitbringen muss“, erläutert Physiotherapeutin Andrea Kaufhold aus Kellenhusen. Sie hat einen von insgesamt 1000 Brandbriefen an das Bundesgesundheitsministerium geschrieben. „Die Situation bewegt mich. Wir sind quasi vom Aussterben bedroht.“ Viele würden aus dem Job flüchten, Mitarbeiter wechselten aufgrund der geringen Bezahlung den Beruf, Inhaber müssten wegen unattraktiver Rahmenbedingungen wie die geringe Vergütung durch die Krankenkassen und den hohen bürokratischer Aufwand ihre Praxen schließen.

Seit 2011 ist Andrea Kaufhold selbstständig, führt seit 2016 ihre Praxis „Physio & Mee(h)r“ in Kellenhusen. Sie bekommt in ihrem Anliegen Unterstützung von Touristikleiter Thorsten Brandt: „Unsere touristische Region ist von der Problematik stark betroffen. Was nützt es uns, wenn wir mal ein neues Gäste- und Kurzentrum hier in Kellenhusen stehen haben, aber es nicht mit Leben füllen können, wir bestimmte Angebote nicht mehr vorhalten können, da dann engagierte Menschen wie Andrea Kaufhold und ihr Team fehlen.“ Die Physiotherapeutin betont, dass daher jetzt die ganze Berufsgruppe Druck auf die Politik machen müsse. Ihre Mitstreiter und sie kämpfen dabei auch gegen das aktuelle öffentliche Vorgehen des Gesundheitsministers Jens Spahn (CDU). Dieser lade im September zu einem Gesprächsgipfel mit den Berufsverbänden der Therapeuten ein. Zusätzlich möchte er mit der Basis ins Gespräch kommen und habe einen Videowettbewerb ausgerufen. Aus Beiträgen mit den meisten „Likes“ würden dann Gesprächspartner gesucht. Diese PR-Nummer stelle einen respektlosen Vorgang gegenüber den Brandbrief-Schreibern dar. Die „Therapeute am Limit“ nehmen am Wettbewerb nicht teil. Die Aktivisten haben dagegen unter dem Hashtag #tributevonSpahnem ein Video erstellt.

Info: www.therapeuten-am-limit.de

Von Markus Billhardt

Quelle:

http://m.ln-online.de/Lokales/Ostholstein/Therapeuten-schlagen-Alarm