OSTTHÜRUNGER ZEITUNG Beitrag vom 22.08.2018

Therapeuten aus Jena sehen Versorgung der Patienten gefährdet

Jenaer beteiligen sich an der Bundesweiten Aktion „Therapeuten am Limit“

Jena. „Therapeuten am Limit“ ist der Titel einer Aktion, zu der sich seit Juni eine zunehmende Anzahl von Therapeuten zusammenschließt, um ihre Arbeitsbedingungen und die Versorgung ihrer Patienten zu verbessern. Jetzt wollen auch Jenaer Therapeuten ein Zeichen setzen.

„Wenn die Entwicklung so weiter geht, ist die Versorgung der Patienten gefährdet“, sagt Gisela Fritzsche, Leiterin der Praxis für Ergo- und Physiotherapie im Postcarré.“ Patienten müssten auch in akuten Fällen oft mehr als drei Wochen auf einen Termin warten, dabei sei die Heilmittelverordnung vom Arzt nur 14 Tage gültig. „Hausbesuche können wir kaum noch machen und wir müssen immer häufiger Patienten wegschicken“, sagt Fritzsche.

Auch in Jena könnten Praxen aufgrund des Therapeutenmangels nicht mehr alle Patienten behandeln. Bürokratisch überlastet: und das bei geringer Bezahlung. Zwischen 27 und 42 Euro erhalten Praxen als Heilmittelerbringer pro Behandlungsstunde von den Krankenkassen. Davon müssen nicht nur Personalkosten, sondern auch Miete, Ausstattung, alle Nebenzeiten und Fortbildungen bezahlt werden.

Offene Stellen können über Monate nicht besetzt werden, da Therapeuten in besser bezahlte Berufe abwandern. Immer weniger Schüler würden sich für eine Ausbildung zum Physio- oder Ergotherapeuten interessieren – bei einem Schulgeld für die Ausbildung von etwa 18 000 Euro und den geringen Verdienstmöglichkeiten durchaus verständlich.

Damit sich der Negativ-Trend nicht weiter verstärkt, wollen Jenaer Therapeuten ein Zeichen setzen. Am Sonnabend beteiligen sie sich an der bundesweiten Aktion „Therapeuten am Limit“. Um 10 Uhr treffen sie sich zu einer Kreidemalaktion am Holzmarkt. Vertreter der Ergo- und Physiotherapie sowie Logopädie stehen vor Ort als Ansprechpartner zur Verfügung. Bei der Kreideaktion malen Therapeuten den Schriftzug „Therapeuten am Limit“ auf öffentliche Wege und Straßen, um mit Passanten über ihre Situation ins Gespräch zu kommen.

Die bundesweite Protestbewegung geht auf die Aktion von Heiko Schneider zurück, der mit dem Fahrrad von Frankfurt am Main nach Berlin gefahren ist, um seinen und 1000 weitere Brandbriefe dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu übergeben.

Sonnabend, 25. August, ab 10 Uhr auf dem Holzmarkt OTZ / 22.08.18

Quelle:

https://m.otz.de/web/mobil/jena/detail/-/specific/Therapeuten-aus-Jena-sehen-Versorgung-der-Patienten-gefaehrdet-292764752