Statement zur aktuellen berufspolitischen Situation: „LAUTER WERDEN!“

Liebe Kolleginnen & Kollegen,

am vergangenen Freitag habe ich meine Praxis nach fast neunjährigem Bestehen schließen müssen. Trotz voller Auslastung und voller Wartelisten in einem bevölkerungsreichen Wohngebiet, haben mich die Kosten erdrückt. So habe ich das letzte Mal meine Praxis abgeschlossen in die ich nicht nur viel Herzblut, Liebe und Geld investiert hatte.

Muss ich jetzt meinen geliebten Beruf aufgeben? Zum Glück nein. Wie man so schön sagt, wenn sich eine Tür schließt, geht eine andere auf. Ich hatte das Glück im letzten Moment noch in einer bestehenden Praxis als Untermieter unterzukommen. Und so stehe ich also nahtlos weiter an der Bank, um Schulden loszuwerden und meine Berufung weiter auszuüben. Aber richtig Freude kann ich nicht empfinden. Und worüber auch? Nicht alle meiner Patienten können mir in die neue Praxis folgen. Meine Praxis ist nicht die Erste, die in diesem beliebten Stadtviertel schließen muss. Noch mehr bedrücken mich die Hausbesuche, die ich nicht mehr wahrnehmen kann. Nun habe ich den Patienten gegenüber ein schlechtes Gewissen…

… dabei sollten das die Verantwortlichen in den Krankenkassen, den Verbänden und in der Politik haben. Aber dort werden die Missstände ignoriert oder schöngeredet- das fällt leicht, wenn man nicht direkt mit den Patienten und ihren Schicksalen zu tun hat.

Niedrige Gehälter, Altersarmut, arbeiten bis zur Selbstaufgabe und nicht ausreichende Versorgung der Patienten damit dürfen wir uns nicht abfinden. Auch wenn uns das einige unserer führenden Verbandsvertreter und unser Gesundheitsminister einreden wollen.

Herr Spahn ignoriert bewusst unsere Notlage und weiß sehr wohl wie es um uns steht. Regierungsverantwortung bedeutet sich der Probleme und Sorgen der Bevölkerung anzunehmen und nach konstruktiven Lösungen zu suchen. Herr Spahn schreibt dazu folgendes auf seiner Seite:

Das ist der blanke Hohn und ich kann weder lebenskluge noch vernünftige Entscheidungen in seinem Handeln sehen. Das Geld für ein Sofortprogramm ist bei übervollen Kassen da und für die weiterhin schlechte Situation und die daraus resultierenden persönlichen Konsequenzen, die wir Therapeuten ertragen müssen, fällt mir nur noch eines ein:

Liebe Kolleginnen und Kollegen wir dürfen das so nicht akzeptieren und uns auch nicht gefallen lassen. Wir müssen weiter laut bleiben denn selbst Politiker rufen uns dazu auf lauter zu werden. Meine spezielle Bitte geht an die Reformkräfte innerhalb der Verbände, bitte bleibt dran. Wir, die Basis haben in den letzten 6 Monaten viel bewegt. Die vielen Kolleginnen die mitgeradelt sind, die Briefeschreiberinnen und Filme von Patient*innen unter dem #ohnemeinenPhysiotherapeuten, die Kreideaktionisten und rote Karten, sowie das Kapern von Spahns live Beiträgen, dies war nicht die Leistung unserer Verbände … das waren wir alle gemeinsam, die den politischen Druck erzeugt haben. Aktuell sieht es danach aus, dass keiner unserer verantwortlichen Vertreter davon etwas verinnerlicht hat – ein „weiter so“ darf es nicht geben.

Aber vor all denen, die täglich um das Überleben kämpfen, die vielen Briefeschreiber die nicht wissen wie sie ihre Familien ernähren sollen, die vielen Kolleginnen und Kollegen die über ihren Ausstieg nachdenken oder die lange darauf vertraut haben, dass die Verantwortlichen in der Berufspolitik für uns alle das Richtige tun und darauf hoffen, dass dies nun endlich mal passiert, vor denen ziehe ich meinen Hut…

Frankfurt, den 3. Oktober 2018

Euer Heiko


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Statement zur aktuellen berufspolitischen Situation – Stand 03.10.2018: „LAUTER WERDEN!“ (PDF)

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